Stadtoberverwaltungsrat Herbert Schaefer wird in wohlverdiente Pension verabschiedet
In 46 Dienstjahren viele Herausforderungen bewältigt
Stadtoberverwaltungsrat Herbert Schaefer wird in wohlverdiente Pension verabschiedet
Würselen (psw). Wenn man mit ihm ins Plaudern kommt, merkt man schnell, welche Erfahrung und welches Wissen er in 46 Dienstjahren im öffentlichen Dienst hat sammeln können und über welch‘ hintergründigen und gleichzeitig offenen Humor er verfügt: Stadtoberverwaltungsrat Herbert Schaefer, Leiter des Fachbereiches 1 der Stadtverwaltung Würselen, wird Erfahrung und Wissen künftig nur noch „rein privat“ zur Verfügung stellen, denn am Freitag hat er seinen letzten Arbeitstag im Rathaus und wird sich fortan seinen Hobbies, dem Motorradfahren und dem Lesen, widmen.
Mit Blick auf sein Berufsleben unterteilt er dieses in „eine Zeit vor und eine Zeit nach der EDV“, wobei er den großen Einschnitt mit der Einführung der Computertechnologie sieht. Mit 16 Jahren begann am 1. April 1966 ein Verwaltungspraktikum bei der Stadt Würselen im früheren Verwaltungssitz, dem heutigen „Alten Rathaus“. Damals wurden noch alle Steuerbescheide, Lohnsteuerkarten und Wahlbenachrichtigungen mit der Schreibmaschine geschrieben. „So wurden alle Schreibmaschinen des Hauses zusammen getragen und jeder, der diese bedienen konnte, musste mit ran“, erinnert sich der 62jährige Kommunalbeamte noch gut an das individuelle Schreiben der amtlichen Massenbelege. Mangels einer entsprechenden Technik wurde so auch der Haushaltsplan der Stadt Würselen im wahrsten Sinne des Wortes „zusammengetragen“. Die gedruckten Seiten wurden im großen Sitzungssaal hintereinander ausgelegt und, ähnlich wie bei der „Reise nach Jerusalem“, huschten die Verwaltungsbediensteten so an den Stapeln Papier vorbei und trugen Seite für Seite zusammen.
Herbert Schaefer ist ein waschechter „Wöschelter Jong“: er kam im Oktober 1949 in Bardenberg zur Welt, ging auf die Katholische Knabenschule in der Lehnstraße, später auf das Couvengymnasium in Aachen, bevor er sein Berufsleben im öffentlichen Dienst mit einem Verwaltungspraktikum bei der Stadt Würselen begann. Nach der Ableistung seines Grundwehrdienstes, dem erfolgreichen Abschluss seiner Berufsausbildung und der Ernennung zum Stadtinspektor wurde er mit der ersten wichtigen Aufgabe betraut: Im Oktober 1972, kurz nach der Kommunalen Neugliederung, wurde er im neu gebildeten Fuhrparkamt, verwaltungsintern „Ponyamt“ genannt, eingesetzt und wirkte als stellvertretender Amtsleiter verantwortlich mit daran, die früheren Bauhöfe der Gemeinden Bardenberg, Broichweiden und Würselen zusammenzuführen. Hier führte er 1973 die Kosten- und Leistungsrechnung ein; als erste Stadt im früheren Kreis Aachen nahm sich die Stadt Würselen der Leistungserstellung und der Gebührenermittlung nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten an. Nicht zuletzt aufgrund dieser Erfahrungen wurde ihm 1980 von der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung der Lehrauftrag für den Bereich „öffentliche Betriebswirtschaftslehre/Wirtschaftlichkeit“ nebenberuflich erteilt, den er bis zur Schließung der Aachener Niederlassung im Jahre 1985 wahrnahm.
An die ersten Jahre der neuen Stadt Würselen erinnert er sich gut: „Aus früheren zwei Dienststellen wurden die neuen Ämter auf acht Dienststellen in den drei Stadtteilen aufgeteilt. Es war ein wenig wie bei der heutigen EU: ein Drittel der Belegschaft war ständig zwischen diesen Einheiten unterwegs“. Dies bis 1986. Dann zogen die Mitarbeiter in das neue Rathaus auf dem Morlaixplatz. Herbert Schaefer hatte in der Zwischenzeit sein Kommunaldiplom erworben und war im Rechtsamt „gelandet“, zu dessen Leiter er 1978 bestellt worden war. In dieser Funktion wurden Herbert Schaefer auch immer wieder Sonderaufgaben übertragen: So im Rahmen des Sanierungsverfahrens Morsbach, bei der Entwicklung des Neubaugebietes Am Förderturm, die Organisation des 1. Würselener Handwerkermarktes und die Fortentwicklung des Gewerbegebietes Aachener Kreuz. Besonders bei Rechtsfragen war Herbert Schaefer immer ein gefragter Fachmann. Ein berufliches Highlight war hier ein Bauvertrags-Prozess, der sich über zehn Jahre bis zum Oberlandesgericht Köln hin zog mit einem Streitwert von 3,85 Millionen Deutsche Mark und aufgelaufenen Zinsen von 1,5 Millionen Deutsche Mark. Er endete damit, dass die Stadt Würselen zum Schluss „lediglich“ 60.000 Euro zahlen musste.
Im Juni 1991 wurde Herbert Schaefer zum Stadtoberverwaltungsrat ernannt, im Juli 1996 zum Standesbeamten und zum 15. Juni 1998 zum Leiter des neu gebildeten Fachbereiches 1 der Stadtverwaltung bestellt, bei dem die Aufgaben Recht, Versicherungen, Allgemeines Ordnungsrecht, Gewerbeangelegenheiten, Verkehr, Meldeamt, Standesamt, Vorbeugender Brandschutz, Feuerschutz, Rettungswesen, Straßenverkehrsangelegenheiten sowie Beitragswesen angesiedelt sind.
Herbert Schaefer ist seit 1969 mit Ehefrau Rosemarie verheiratet und Vater eines erwachsenen Sohnes.
Herausgegeben am 22.02.2012 / Pressestelle der Stadt Würselen – Bernd Schaffrath
