Maßnahmenkatalog

Die Stadt Würselen hat nicht erst mit der Entwicklung eines integrierten Klimaschutzkonzeptes damit angefangen, Klimaschutzmaßnahmen zu initiieren bzw. umzusetzen. So hat die Stadt schon in der Vergangenheit eine Reihe von Maßnahmen durchgeführt, welche insbesondere den CO2-Ausstoß der eigenen Liegenschaften deutlich senken konnten.

Als Teil des Klimaschutzkonzeptes wurde ein Maßnahmenkatalog entwickelt, mit dem es der Stadt möglich ist, auch in Zukunft sektorspezifische Maßnahmen zur Senkung der CO2-Emissionen in die Wege zu leiten. Dabei ist zu beachten, dass sowohl die finanziellen, wie auch die personellen Ressourcen der Stadt Würselen begrenzt sind und die Schwerpunkte daher in Bereichen gesetzt werden, in denen mit geringem Mitteleinsatz hohe Emissionsminderungen erzielt werden. Da die kommunalen Einrichtungen jedoch für nur 2% der CO2-Emissionen im Stadtgebiet verantwortlich sind, ist die Bereitschaft der Bevölkerung und der hiesigen Unternehmen, sich ebenfalls im Bereich Klimaschutz zu engagieren, von Nöten.

Bei der Zusammenstellung der Maßnahmen stehen daher die Bereiche Information, Kommunikation und Motivation im Vordergrund. Die Maßnahmenumsetzung beinhaltet dabei auch die Suche nach passenden “Sponsoren”, durch die einzelne Maßnahmen erst möglich gemacht werden. Weiterhin wird die Stadt Würselen daran arbeiten, Klimaschutzmaßnahmen in Rahmen von Reinvestitionszyklen in den Unternehmen oder bei “ohnehin” geplanten Erneuerungsmaßnahmen anzuregen. Denn häufig lassen sich mit einem geringen finanziellen Mehreinsatz höhere Nutzen bei der Energieeffizienz und beim Klimaschutz erzielen.

Im Folgenden werden die Klimaschutzmaßnahmen aus dem integrierten Klimaschutzkonzept der Stadt Würselen beschrieben:

Kommunikation und Information

  • KI-1 Arbeitskreis Energie
    Gremium, welches externe Fachleute, Verwaltung und Politik vereint, um Wissen auszutauschen und zu vermitteln; regelmäßige Sitzungen sind vorgesehen
  • KI-2 Klimaschutzmanager
    begleitet und berät bei der Umsetzung des IKSK; könnte auch als Mobilitätsberater fungieren
  • KI-3 Aufbau eines Energie-Informationssystems
    zentrale Plattform zur Information und Motivation von Bevölkerung und Wirtschaft
  • KI-4 Öffentlichkeitsarbeit, Kampagnen
    Verbreitung wichtiger Informationen und Präsentation von Aktivitäten im Bereich Klimaschutz auf der Homepage und durch den Newsletter der Stadt, sowie durch die lokalen Medien; Klimaschutzmanager als zentraler Ansprechpartner

Stadtverwaltung

  • SV-1 Kommunales Energiemonitoring
    Erfassung weiterer Liegenschaften, Automatisierung des Systems, Alarmfunktion
  • SV-2 Pilotprojekt Energiemonitoring
    Aufschaltung der Sporthalle Parkstraße zur Abrechnung mit den Nutzern
  • SV-3 Klimaschutz-Teilkonzept für die eigenen Liegenschaften
    Analyse und Bewertung kommunaler Gebäude in unterschiedlicher Tiefe
  • SV-4 Mitgliedschaft im Konvent der Bürgermeister/innen
    „Im Konvent der Bürgermeister/innen verpflichten sich die beteiligten Städte, bei der Reduzierung der CO2-Emissionen durch eine Steigerung der Energieeffizienz und eine umweltfreundlichere Energiegewinnung und -nutzung über die energiepolitischen Ziele der EU hinauszugehen.“

Erneuerbare Energien und Energieversorgung

  • EE-1 Verdichtung / Ausbau Nahwärmeversorgung
    Gewinnung weiterer Kunden entlang der bestehenden Trasse; ggf. Ausbau der Trasse (BHKW Lehnstraße)
  • EE-2 Ausbau Solarenergienutzung – Solardachkataster
    Auswertung der Dachflächen auf Eignung, ggf. Internetportal
  • EE-3 Ausbau Solarenergienutzung – Kampagne
    Marketingaktion, z.B. unter Nutzung von Aktionen wie „Solar na klar“; Tag der offenen Tür bei kommunalen Anlagen
  • EE-4 Ausbau Geothermienutzung
    Information über besonders (un-)geeignete Standorte, Beratung
  • EE-5 Ausbau Windenergienutzung
    Repowering auf bestehenden Windvorrangflächen
  • EE-6 Koordinierter Ausbau Biogas- und Biomassenutzung
    Ausbau bestehender und Förderung neuer Biogasanlagen; Einsatz von Holz als Brennstoff fördern → Luftreinhaltung beachten!
  • EE-7 Ausbau Erneuerbarer Energien allgemein
    Energieberatung z.B. für Bauherren und interessierte Bürger
  • EE-8 Weiterbildung und Beratung von Architekten und Planern
    Nutzung/Forcierung bestehender Angebote, z.B. von Altbau plus, AKNW; Erfahrungsaustausch unter Fachleuten; Schaffung von Anreizen für fortschrittliche Konzepte

Bauen und Wohnen

  • BW-1 Öffentlichkeitsarbeit allgemein
    Zielgruppen: Bauherren/Investoren, Architekten, ggf. Fachplaner
    Einzel-Maßnahmen z.B.: Info-Material zur Weitergabe bei Bauberatung bereitstellen; Beratungsstunden in Stadtverwaltung organisieren; Informationsausstellung im Rathaus ausrichten; Liste von Beratungsstellen und Adressen; Architekten und Bauherren auffordern, gute realisierte Projekte zu melden; Besichtigungen von guten realisierten Projekten organisieren; Erfahrungsaustausch von Akteuren organisieren; gute Beispiele städtischer Gebäude darstellen; Beratung für einkommensschwache Haushalte anbieten/fördern
  • BW-2 Kampagne Altbausanierung
    Aktionswoche Altbausanierung, Verknüpfung mit „Tag der Architektur“, Erfahrungsaustausch, Sanierungstreff etc.
  • BW-3 Klimaschutz im Städtebau – gesamtstädtische Maßnahmen
    Innenentwicklung und Flächenkonversion vor Außenentwicklung; Siedlungsentwicklung zuerst an ÖPNV-Knoten und Nahversorgungsstandorten → Anknüpfungspunkte zu Verkehr! Standorte für Windenergie- und Biogasanlagen ausweisen; Solar- und Geothermiekataster für das ganze Stadtgebiet erarbeiten → Anknüpfungspunkte zu Energieversorgung!
  • BW-4 Klimaschutz im Städtebau – Bebauungspläne
    Nutzungsmischung: Nahversorgungsinseln und nicht-störende Arbeitsstätten in Wohnquartieren; kompakte Gebäudeformen bevorzugen, keine freistehenden Einfamilienhäuser; Gebäudeausrichtung nach Süden, Vermeidung von Verschattung; Innenentwicklung nach § 13a BauGB nutzen; Gebiete für den Einsatz erneuerbarer Energien nach § 9 Abs. 1 Nr. 23 BauGB festsetzen; Einsatz erneuerbarer Energien und alternative Energieversorgung für Neubaugebiete prüfen und in Verträgen vereinbaren; ebenso in vorhabenbezogenen Bebauungsplänen und städtebaulichen Verträgen; in Grundstücksverträgen höhere Energiestandards vereinbaren
  • BW-5 Architektur und Gebäudeplanung
    Pilotprojekte energetische Altbausanierung und am Klimaschutz orientierter Neubau initiieren und realisieren; Sanierungskonzepte für verschiedene Haustypen entwickeln; Energiesparmaßnahmen an städtischen Gebäuden; Solaranlagen auf städtischen Gebäuden; Dach- und Wandbegrünung einplanen; Hitzeschutz an Gebäuden einplanen; Entsiegelung und Begrünung von Flächen im Bestand; Weiterbildung von Architekten fördern
  • BW-6 Energiekonzept Mauerfeldchen
    Erstellung eines Konzepts zur Wärme- und Stromversorgung; Förderung durch BMU evtl. möglich; Modellprojekte umsetzen

Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft

  • IGL-1 Kampagne Gewerbe und Industrie
    Bewerbung von KfW-Beratungen und Ökoprofit; Hinweise auf Energie-Infosystem
  • IGL-2 Ratgeber Energie veröffentlichen
    Kompendium mit Energie-Infos/Glossar, Ansprechpartnern und Adressen aus der Region
  • IGL-3 Effiziente Klimatisierungskonzepte für Handel und Gewerbe fördern
    Nutzung des Erdreichs für Kühlung und Beheizung ist im Neubau sehr wirtschaftlich; Information im Rahmen von Kampagnen
  • IGL-4 Unternehmer-Stammtisch
    Netzwerkbildung für interessierte Unternehmer, ggf. regional; Nutzung bestehender Angebote, z.B. IHK Gruppe

Verkehr

  • V-1 Mobilitätsberater bei der Stadtverwaltung
    Stadt Würselen hat überwiegend indirekten Einfluss durch Beratung; Konzepte sind nur umsetzbar, wenn sie dauerhaft von kompetentem Personal verfolgt werden (z.B. Mobilitätsmanagement im Gewerbegebiet Aachener Kreuz) → Teilaufgabe des Klimaschutzmanagers
  • V-2 Verbesserung des ÖPNV
    Optimierung des Buslinienangebotes, vor allem bessere Anbindung von Gewerbeflächen; Erweiterung der Euregiobahn von Merzbrück über Würselen-Markt nach Aachen-Bushof und RWTH-Campus; Unterstützung des Jobtickets für städtische Beschäftigte und andere Betriebe
  • V-3 Attraktivierung des Radverkehrs
    Bau von sicheren und durchgängigen Radwegen; Ausschilderung von Alltags- und Freizeitrouten; Radstationen (Rad-Parkplätze) an den Haltepunkten des ÖPNV; (Elektro)-fahrräder als Dienstfahrzeuge bei der Stadtverwaltung; Unterstützung von Mietmodellen für Elektro-Fahrräder
  • V-4 Optimierung des motorisierten Individualverkehrs
    Fahrgemeinschaften fördern; Car-Sharing fördern: Cambio-Station in Würselen; Anschaffung von Elektro- oder Hybrid-Autos als Dienstfahrzeuge; Unterstützung von Mietmodellen für Elektro- oder Hybrid-Autos
  • V-5 Reduzierung des Güterverkehrs
    Würselen wäre als autobahnnaher Standort gut für City-Logistik-Konzepte geeignet
  • V-6 Mobilitätsmanagement in Betrieben fördern
    eine Mobilitätsberatung für Betriebe wird unter anderem von der IHK angeboten; IHK fördert zudem das Job-Ticket auch für kleine Unternehmen