EHRUNG

Ein Düvel für den Bürgermeister

Abgedeckt stand das steinerne Geschenk direkt vor dem Rednerpult im Ratssaal, so mancher Gast und sicher auch Bürgermeister Nießen fragten sich, was es wohl damit auf sich habe. Enthüllt wurde die Überraschung jedoch erst nach den verschiedenen Redebeiträgen am Ende des Festaktes. Zum Vorschein kam ein steinerner Düvel, der zwinkernd und schelmisch sein Gegenüber aus nur einem Auge anschaut, das andere Auge zusammengekniffen. 

Doch wer denkt, das sei ein Düvel für die Düvelstadt, der irrt. Die Geschichte ist doch weitaus tiefgründiger. Dafür wagen wir einen kleinen Zeitsprung – 20 Jahre zurück. Der damalige Bürgermeister der Stadt Würselen, Werner Breuer, wollte eine Ehrengabe für ehrenamtliches Engagement schaffen. Es sollte ein einmaliges Werk sein, welches – wenn überhaupt – einmal pro Jahr vergeben wird. So wurde Kontakt mit dem Würselener Steinmetz- und Steinbildhauermeister Rainer Klinkenberg aufgenommen, mit dem die Ehrengabe eng abgestimmt wurde. Entstanden ist eine 35 cm hohe Steinfigur mit dem Namen "WÖSCHELTER DÜVEL”. Vier Mal wurde sie in den Folgejahren verliehen: 2001, 2004, 2005, 2009.

In Anlehnung an diese Skulptur wurde auch eine Ehrenmedaille „Wöscheler Düvel“ aufgelegt, die jährlich beim Ehrenamtsabend an engagierte Menschen und Vereine verliehen wird.

„Der Wöschelter Düvel wurde dann vielen Menschen für ihre besondere ehrenamtliche Tätigkeit festlich überreicht“, sagt Rainer Klinkenberg. „Zum Jubiläum wollte ich gern einen Düvel für die Stadtverwaltung und insbesondere für den Bürgermeister machen.“ Dabei sei aber nicht nur der derzeitige Bürgermeister gemeint, sondern auch die Amtsträger der Vergangenheit und der Zukunft. „Es geht um das Amt“, sagt Klinkenberg, und weiter:

Ich habe viele Bürgermeister in Würselen persönlich kennengelernt und eines hatten sie alle gemeinsam: Sie haben ihr Amt als Berufung gesehen. Viel zu selten bekommen sie dafür ein Dankeschön.

Es handelt sich also nicht um ein Geschenk für die gesamte Stadt Würselen, sondern für die Stadtverwaltung. Ein in Stein gemeißeltes Dankeschön. „Deshalb ist die Steinfigur auch nicht zu groß und kann verschiedene Standorte haben“, sagt Klinkenberg. „Optisch ähnelt die Figur aber sehr den kleinen Wöschelter Düveln, die ich für das ehrenamtliche Engagement kreiert habe.“ Das Gesicht sei eine Ausnahme und eine weitere sei das Euro-Münzstück, das die Steinfigur in den Krallen hält. Doch das ist nicht als Kritik gemeint, sagt der Künstler selbst. „Es ist sozusagen die eiserne Reserve, wenn mal ein Euro fehlt.“ Die Bedeutung sei: Wir gehen nicht unter. Wir haben noch einen Euro übrig.

Gefertigt wurde der Düvel aus traditionellem Blaustein. „Früher wurde dieser in Aachen-Sief abgebaut, doch diese Quelle ist nun erschöpft“, sagt Klinkenberg. „Dieser Stein kommt aus dem Südosten Irlands, ist aber geologisch die gleiche Gesteinsform.“ 

Insgesamt habe der gebürtige Duisburger, der schon seit etwa 30 Jahren in Würselen lebt, etwa 80 Stunden an der Figur gearbeitet. „Ich hoffe sehr, dass ich damit dem Bürgermeiste und der Stadtverwaltung eine Freude machen konnte“, sagt Klinkenberg. „Und ich würde mir wünschen, dass die Figur allen weiteren Amtsträgern ein Lächeln ins Gesicht zaubert.“