KULTUR

Zwischen Fahrtwind und Leinwand: Die Würselener Kunstroute per Rad erleben

In einer Zeit, in der Kultur oft in anonymen Großgalerien stattfindet, setzt Würselen ganz bewusst auf Nähe und Begegnung. 25 Künstlerinnen und Künstler öffnen am 20. und 21. Juni jeweils von 12 bis 18 Uhr ihre Ateliers und Ausstellungsräume. Es ist eine herzliche Einladung, nicht nur das fertige Werk zu betrachten, sondern den Ort seines Entstehens zu atmen und mit den Kulturschaffenden direkt ins Gespräch zu kommen.

Beim offiziellen Pressetermin im Alten Rathaus wurde das facettenreiche Programm vorgestellt. In Vertretung für den Schirmherrn, Bürgermeister Roger Nießen, betonte der Erste Beigeordnete Marius Claßen den hohen Stellenwert dieser Entwicklung:

„Die Stadt Würselen ist stolz auf die beeindruckende Dynamik unserer Kunstszene. Kunst ist weit mehr als reine Dekoration; sie ist das Bindeglied unserer Gesellschaft und essenziell. Mit der Kunstroute wird Kultur erlebbar, indem Barrieren abgebaut werden und Besucher einen authentischen Blick hinter die Kulissen werfen können.“
Kunstroute 2026

Ein Erlebnis für alle Sinne – im Sattel durch die Kunstszene

Der Titel der Veranstaltung, „kunst erfahren“, ist dabei durchaus wörtlich zu verstehen. Die insgesamt 12 verschiedenen Ausstellungsorte sind so über das Stadtgebiet verteilt, dass sie sich ideal mit dem Fahrrad ansteuern lassen. Die Route verbindet den Genuss von Ästhetik mit der Bewegung in der Natur und dem Entdecken der eigenen Heimat aus einer ganz neuen Perspektive.

Mitorganisator Richard Mariaux beschreibt den besonderen Reiz dieser Kombination:

„Es ist diese ganz spezielle Mischung, die den Tag ausmacht: Man lässt sich von einem Kunstwerk im Atelier berühren, schwingt sich dann wieder aufs Rad, lässt den Blick über die weiten Felder schweifen und verarbeitet das Gesehene. Das ist ein ganzheitliches, entschleunigendes Erlebnis.“

Auftakt im Kino und zentraler Infopoint

Um die Vorfreude zu schüren, startet das Programm bereits am 18. Juni um 20 Uhr im Metropolis Filmtheater. Dort wird zur Einstimmung der Dokumentarfilm „Triegel trifft Cranach – Malen im Widerstreit der Zeiten“ gezeigt.

Während des eigentlichen Kunstrouten-Wochenendes dient das Alte Rathaus (Kaiserstraße 36) als zentraler Infopoint. Hier erhalten Besucher alle Informationen zu den Routen, Künstlern und Ausstellungsorten.

Unterstützt wird das Projekt von der Kulturstiftung Würselen sowie der Stadt Würselen. Dass Bürgermeister Roger Nießen die Schirmherrschaft übernommen hat, unterstreicht noch einmal: Die Kunst ist im Herzen der Stadt angekommen.

Daten & Fakten auf einen Blick:

  • Termin: Samstag, 20. Juni, und Sonntag, 21. Juni, jeweils von 12 bis 18 Uhr
  • Kunstausstellungen an 12 Standorten (ideal per Rad erreichbar)
  • Zentraler Infopoint: Altes Rathaus, Kaiserstraße 36, Würselen
  • Kino-Auftakt: Donnerstag, 18. Juni, 20 Uhr, Metropolis Filmtheater („Triegel trifft Cranach“)


Im Flyer der 5. Würselener Kunstroute finden Sie alle Informationen und Ausstellungsorte noch einmal auf einen Blick.

Ausführliche Infos zu den Ausstellungsorten und Künstlern:

BRIGITTE ATES & VELI ATES

Veli Ates: Malerei und Holzskulpturen

Als Kind flog ich in meinen Träumen über aus Buntstiften bestehenden Feldern, ohne selbst welche zu besitzen. Später zeichnete und malte ich erst mit Blei-, dann mit Buntstiften und schließlich mit Acrylfarben. Vor der Arbeit an meinen Holzskulpturen schaue ich mir di Holzklötze immer wieder an und warte darauf, dass sie mich inspirieren, das Wesentliche, das in ihnen steckt zu erkennen und herauszuarbeiten. Nicht selten klappen "unsere Zwiegespräche“.

Brigitte Ates: Malerei und das Bemalen von Holzskulpturen und anderen Gegenständen

Meine künstlerischen Arbeiten entstehen, wenn ich Zeit und Ruhe zum Träumen habe und mit Farbe meiner Fantasie folgen kann. Aber auch, wenn ich die wunderbar farbigen Werke meist von Expressionistinnen sehe und mich ihnen und ihren Bildern in meiner Art zu nähern versuche.

MONIKA BERGRATH

Im Atelier von Monika Bergrath entstehen experimentelle Objekte und Schmuckstücke. Ihr Markenzeichen ist die spielerische Freude, mit der sie je nach Thema scheinbar wertlose Dinge wie Bonbonpapierchen, Eislöffelchen, Buntstifte oder Scherben mit edlen Steinen und Metallen kombiniert. Sie widmet die Materialien um, arrangiert sie neu, wechselt die Perspektive und schafft unverwechselbare Unikate mit klaren Aussagen. Bei „Kunst erfahren 2026“ steht ihre Installation „Bestiarium“ im Mittelpunkt.

BARBARA MERKEL

Schon immer an bildender Kunst interessiert, seit 1995 intensive Auseinandersetzung mit Techniken der Malerei (autodidaktisch und durch Kurse, u.a. am Ludwig Forum Aachen).

Zur Kunst über die Farbe gekommen, aktuell arbeitet sie mit gefundenen bzw. wiederverwendeten Materialien, die neu geordnet zu malerischen Objekten zusammengestellt werden.

MADINA WEIJMAN

Ein spontanes, inkonstantes „Werk“, chaotische Vielfalt an Bildern, Objekten, Installationen und Materialmix. Was mir in die Finger kommt wird benutzt, verarbeitet: spontan, authentisch, meist vergänglich & unperfekt. Modellieren, kleben, malen & installieren - zu finden in Atelier & Garten zwischen Katze, Hündin und Geflügel.

CHRISTINA MINKENBERG

Zwischen Intuition und Reflexion, zwischen Farbe, Struktur und Bewegung, zwischen analog und digital erschaffe ich Bildwelten – von Ruhe bis Expressivität, offen für eigene Wahrnehmung und Interpretation.

HANS WITTL

Seit 1958 ist Hans Wittl als selbständiger Architekt und Maler in Würselen tätig. Er malt ohne Vorlagen an Ort und Stelle ein Bild mit raschen Pinselstrichen, hält den Augenblick fest wie ein Fotograf, Wittl nennt es die „Impression des Augenblicks“. Viele seiner Werke entstanden auf seinen Reisen durch den Süden Europas und in asiatische und afrikanische Länder.

CARMEN KAHN / ELA MOONEN

Carmen Kahn zeigt in der Blickerei, Nordstraße 26, filligrane Draht- und Papierkunstwerke, die wie schwebende organische Geflechte wirken. Licht und Schatten erzeugen zarte Konturen und räumliche Tiefe. Eine weitere Objektinstallation lotet die Grenze zwischen „Sein“ und „Schein“ aus.

Im Rahmen der interdisziplinären Zusammenarbeit aus der Reihe: „Mehlzäns Zauberplatten“ taucht Ela Moonen in die Welt der Schaltkreise ein, während der Mehlzän die künstlerische Ausdrucksform jenseits funktionaler Anwendung erkundet – wird’s Kunst oder Technik? Koi-Fische schwärmen und Wolkenbilder laden in der Blickerei wieder zur eigenen Kreativität ein.

MALGRUPPE TAISIA & GEORGIY ZAYCHENKO

In den Räumen des Förderkreis Asyl Würselen e.V. werden die Werke von Laienkünstlern gezeigt, die unter der einfühlsamen Anleitung der Künstler Taisia und Georgiy Zaychenko entstehen. Sie zeigen einen individuellen Zugang zur Kunst. Im Mittelpunkt stehen imaginierte Landschaften und Stillleben. Charakteristisch ist die Gestaltung von Porträts, die aus der eigenen Vorstellungskraft entwickelt werden mit Konturen, die jeweils in nur einer Farbe ausgeführt sind.

ILKA HABRICH

llka Habrich lässt in verschiedenen Maltechniken (Farb-)Räume entstehen, in denen sich Polaritäten von Licht und Dunkel, von Schärfe und Unschärfe, von Realität und Imagination begegnen, ja zum Teil aufheben können. In ihren „extracts on wood“ beschäftigt sie sich mit kleinen Ausschnitten, Strukturen oder inhaltlichen Aspekten. In spontaner Improvisation entstehen daraus Arbeiten, die in gestische/lyrische Abstraktion steuern.

ALFONS THESING

„Nicht der Künstler bestimmt die Form, sondern das Holz selbst.“ Nach diesem Credo arbeitet der Holzkünstler Alfons Thesing. In seinen aktuellen Werken verschmilzt er archaische Holzbildhauerei mit modernen, abstrakten Formen. „Holz ist für mich ein lebendiges Material. Es atmet, es arbeitet und es hat eine Geschichte, die ich weitererzähle.“ sagt der Künstler.

GERDA LIPSKI

Gerda Lipskis Arbeiten erforschen das Zusammenspiel von Transparenzen und vielschichtigen Überlagerungen, die verborgene Ebenen der Wahrnehmung sichtbar machen. Dabei treten subtile Strukturen aus der Mikro- und Makrowelt in einen visuellen Dialog. So entstehen zarte Kompositionen, die den Betrachter einladen, die Komplexität organischer und abstrakter Ordnungen neu zu entdecken. Werkreihe: "With nothing in mind" (2025/2026) 

ALFRED REUTERS

SUSANNE MIX & BELLA RASCH

Bella Rasch ist freischaffende Künstlerin und Handwerksdesignerin (Gut Rosenberg). In ihrem künstlerischen Schaffen spiegelt sich ihre Erfahrung und Kompetenz im Umgang mit den verschiedensten Materialien wider, wobei die Holzbearbeitung und die Malerei einen großen Stellenwert einnehmen. Die subtilen Botschaften in ihren Kunstwerken, die es zu entdecken gilt, sprechen für sich. Bella Rasch ist Dozentin der „Künstlerei“ in Würselen. In dieser Tätigkeit arbeitet sie mit Kindern und Erwachsenen und führt alle Teilnehmenden auf den Weg zu eigenen Kunstwerken.

Susanne Mix ist freischaffende Künstlerin, Grafikerin sowie Dozentin der „Künstlerei“ in Würselen, deren Trägerverein Kunstakademie Würselen e.V. sie vor 14 Jahren ins Leben gerufen hat. 

Als Künstlerin bedient sie sich der gesamten Palette der Bildenden Kunst: Malerei in Öl und Acryl, Objektkunst und Zeichnung - Techniken, die sie in ihren Kursen an der Künstlerei sowohl Kindern wie auch Erwachsenen nahebringt. "Kunst ist für mich das Analysieren und Festhalten dessen, was bewegt, und gleichzeitig ein intensiver Prozess der Auseinandersetzung mit dem Sujet und mit mir selbst.“

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CHRISTIANE CREWETT-BAUSER & WILLI LEMKE

Christiane Crewett-Bauser und Willi Lemke stellen ihre Arbeiten in der neuen „Kunstschmiede“ neben dem Alten Rathaus aus. Sie zeigen einen Ausschnitt aus ihrer langjährigen künstlerischen Praxis.

Christiane Crewett-Bauser stellt hier das "Kettenhemd Teenie" mit leer geschossenen Patronenhülsen vor, das Teil einer 6-köpfigen Kettenhemdfamilie ist, Arbeiten aus dem umfassenden Zyklus Bodenschätze und ganz neue Arbeiten im Bereich der Druckgrafik auf alten Buchdeckeln und Lesebuchseiten zum Thema Märchen und ihre Aktualität. Diese greift sie ebenfalls auch in ihrer Malerei auf: Zeitwittchen und Zeitkäppchen. Zeittaler und Fluchttaler zeigte sie schon im letzten Jahr auf der Kunstroute im Rathaus als sie diesen Zyklus begann.

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SABINE LENZ

Immer im Dienst der Wissenschaft bin ich seit inzwischen über 25 Jahren in der Froschung tätig. Schon früh habe ich mich auf außergewöhnliche, amphibische Arten, insbesondere Frösche, spezialisiert. 

Aufgrund ihrer besonders ausgeprägten Fähigkeit der Tarnung, auch Mimikry genannt, arbeite ich unter enorm erschwerten Bedingungen. Habe ich eine neue Art entdeckt, mache ich mich gleich daran, diese für die Menschheit bildlich festzuhalten. Den zumeist ungewöhnlichen Lebensraum und seinen Bewohner halte ich dabei zwei- und auch dreidimensional fest. 

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PRODUZENTENGALERIE ARTIKEL 5

Seit zwei Jahrzehnten steht die unabhängige Produzentengalerie von Doro Flatau, Anett Hoffman, Gabriele Prill, PJM Schneider und Ela Schwartz für ein lebendiges Spektrum aus Malerei, Objekten, Installation, Fotografie und Film.