Die Zahl der verletzten und getöteten Igel durch Mähroboter steigt alarmierend an, was nicht nur ein Tierschutzproblem ist, sondern auch die Artenvielfalt in unseren Gärten bedroht. Doch nicht nur die Mähroboter stellen für die niedlichen Stacheltiere ein Wagnis dar, auch Freischneider bergen ein großes Risiko.
Freischneider von Gartenbesitzern, Hausmeistern und Bauhofmitarbeitenden werden gerade dort eingesetzt, wo Igel ihre Schlaf- und Nestplätze einrichten, nämlich unter Büschen, an Heckenrändern und in verwilderten, überwucherten Bereichen. Igel schlafen während ihrer aktiven Zeit im Jahr auch schon mal im hohen Gras in besonders geschützten Ecken – genau dort, wo die Fadenmäher und Freischneider zum Einsatz kommen!
Wurden früher im Frühjahr und Sommer nur wenige hilfsbedürftige Igel eingeliefert, die beim Kompostumsetzen mit Mistforken verletzt oder von einem Hund gebissen wurden, so verzeichnen die Tierärzte und -Igelhilfen immer mehr Tiere, die mit tiefen Schnittwunden im Rückenbereich abgegeben werden.
Warum sind Mähroboter eine Gefahr für Igel?
Igel sind nacht- und dämmerungsaktive Tiere, die sich oft im Rasengrün auf Futtersuche begeben. Besonders im Frühjahr nach dem Winterschlaf, im Sommer und Frühherbst sind sie unterwegs. Wenn ein Mähroboter den Rasen mäht, bemerken sie meist erst, dass Gefahr droht, wenn es schon zu spät ist. Da Igel bei Gefahr nicht weglaufen, sondern sich zu einer Kugel zusammenrollen, sind sie besonders gefährdet. Die rotierenden Messer des Roboters können die Tiere schwer verletzen: Sie skalpieren die Igel, trennen Gliedmaßen ab oder schneiden in die Schnauze. Oft werden die Verletzungen erst Tage oder Wochen später entdeckt, was die Überlebenschancen deutlich verringert. Studien haben gezeigt, dass knapp die Hälfte der verletzten Igel nicht überlebt oder eingeschläfert werden muss.
Der Verlust natürlicher Lebensräume
Durch den zunehmenden Verlust ihrer ursprünglichen Habitate in einer reich gegliederten, vielfältigen Feldflur mit Hecken, Gehölzen, Wegsäumen, Staudendickichten und artenreichen Magerwiesen sind Igel zu einem typischen Kulturfolger geworden, der heute vorzugsweise naturnahe Gärten, Parkanlagen, Friedhöfe und Streuobstwiesen in menschlichen Siedlungen bewohnt.
Dort macht den Kleinsäugern vor allem die Zerschneidung ihres Lebensraumes durch ein dichtes Straßennetz zu schaffen: Alljährlich werden etwa eine halbe Million Igel von Autos überrollt. Eine weniger augenfälligere Bedrohung stellt der nahezu ungebrochene Trend zu Schottergärten und stark gepflegtem Einheitsgrün dar, wo Igel weder ausreichend Nahrung noch geeignete Versteckmöglichkeiten sowie Schlaf- und Nestplätze in Hecken, Sträuchern, hohlen Bäumen, Reisig- und Laubhaufen finden.
Helfen Sie dem Igel, um ihm eine Wohlfühloase zu schaffen
- Zeitpunkt des Mähens: Nutzen bzw. programmieren Sie den Mähroboter möglichst nur tagsüber, idealerweise um die Mittagszeit, wenn Igel und andere Kleintiere weniger aktiv sind. Vermeiden Sie das Mähen in der Dämmerung und bei Nacht.
- Aufsicht und Kontrolle: Überprüfen Sie den Rasen vor dem Mähen auf versteckte Igel oder andere Kleintiere.
- Weniger mähen: Längerer Rasen ist nicht nur für die Artenvielfalt wertvoller, sondern schützt auch die Tiere, die darin leben. Ein zu kurz gemähter Rasen bietet kaum Nahrung und Versteckmöglichkeiten.
- Garten naturnah gestalten: Ein igelfreundlicher Garten ist möglichst naturnah mit heimischen Pflanzen, Wildwuchs und ungemähten Ecken. Wichtig ist es auch Lücken im Zaun zu lassen, sodass die Igel Zugang zu den Gärten erhalten. Diese Durchlässe helfen ihnen, sich zwischen verschiedenen Gärten zu bewegen und ihre Lebensräume zur Futter- und Partnersuche zu nutzen. Vermeiden Sie zu enge Durchlässe, denn dort können die Igel hängen bleiben. Die Durchlässe sollten mindestens 13 x 13 cm haben und frei von scharfen Kanten sein. Zudem halten die Igel Schädlinge wie z. B. Schnecken, Larven, Würmer fern.
- Natürlichen Unterschlupf zur Verfügung stellen: Igel halten Winterschlaf und begeben sich ab November auf Winterquartiersuche, im Garten können geeignete Überwinterungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden z. B. durch Laubhaufen und Igelhäusern. Aber auch ganzjährige Igelecken mit Totholz, Laub und Reisig bieten sich gut an, denn hier finden die Tiere nicht nur Schutz, sondern auch Nahrung. Mit Steinen umrandet und umgeben von dichten Büschen können sie als geeigneten Unterschlupf und sogar als Winterquartier dienen.
- Wasserstellen bereitstellen: Besonders in den trockenen Sommermonaten ist es wichtig, Igeln eine Trinkmöglichkeit anzubieten. Stellen Sie flache Schalen mit Wasser an einem geschützten Ort auf. Achten Sie darauf, dass die Schalen flach genug sind, damit die Igel problemlos trinken können, ohne hineinzufallen.
Warum ist das wichtig?
Der Schutz der Igel ist nicht nur eine Frage des Tierschutzes, sondern auch ein Zeichen für einen nachhaltigen Umgang mit unserer Umwelt. Ein naturnaher Garten mit vielfältiger Flora und Fauna bereichert unser Leben, fördert die Artenvielfalt und trägt dazu bei, das ökologische Gleichgewicht zu erhalten. Indem wir unsere Gärten so gestalten, dass sie Lebensraum für Igel, Insekten, Vögel und andere Kleintiere bieten, leisten wir einen wertvollen Beitrag zum Erhalt unserer natürlichen Umwelt. Jeder kleine Schritt zählt – sei es durch bewusstes Mähen, das Anlegen von Wildwiesen oder das Vermeiden von aufgeräumten, sterilen Gärten. Gemeinsam können wir dazu beitragen, die kleinen, aber wichtigen Lebewesen in unserer Nachbarschaft zu schützen und eine lebendige, vielfältige Natur zu bewahren.
Denn nicht umsonst war der Igel 2024 das Wildtier des Jahres, um auf seine Gefährdung aufmerksam zu machen. Zudem gilt der Igel inzwischen als potenziell gefährdet und steht auf der Roten Liste der Säugetiere.
Fazit
Der Schutz der Igel in unseren Gärten ist eine gemeinsame Verantwortung. Mit einfachen Maßnahmen wie dem richtigen Zeitpunkt des Mähens, naturnaher Gartengestaltung und dem Schaffen von Unterschlupfmöglichkeiten können wir viel bewirken. So sorgen wir dafür, dass unsere kleinen Nachbarn auch in Zukunft in einer lebendigen und vielfältigen Umwelt leben können. Jeder Beitrag zählt – für den Erhalt der Artenvielfalt und für eine nachhaltige Zukunft.
