Zahlreiche Gäste, darunter auch Würselener Bürgerinnen und Bürger, waren der Einladung zur feierlichen Eröffnung gefolgt. Nach einer Einleitung durch Claus Nürnberg, Geschäftsführer der Stadtentwicklung Würselen, übernahm Bürgermeister und Schirmherr Roger Nießen das Wort. Er hob die besondere Bedeutung dieses Wochenendes hervor, das traditionell mit dem Gedenken an den 8. Mai als Tag der Befreiung beginnt. In diesem Jahr wird dieser geschichtliche Rahmen durch die beeindruckende Präsenz der blauen Schafe und die lokale historische Aufarbeitung der Nachkriegszeit auf einzigartige Weise ergänzt. Nießen betonte, dass diese Aktion vor allem durch das leidenschaftliche Engagement der vielen beteiligten Menschen lebe und eine Strahlkraft besitze, die weit über die Region hinausreiche.
74 Schafe für Toleranz und Menschlichkeit
Ein besonderer Höhepunkt der Doppelausstellung ist die „Blaue Friedensherde“ der Künstlerin Bertamaria Reetz. Das Kunstprojekt, das bereits auf der Biennale in Venedig begeisterte und unter der Schirmherrschaft des EU-Parlaments steht, ist nun fest in Würselen verankert. Jedes der leuchtend blauen Schafe steht dabei als Symbol für Toleranz und Menschlichkeit. Dass insgesamt 74 Tiere in der Stadt zu finden sind, ist vor allem der Initiative von Anne Voss zu verdanken, die das Projekt mit viel Herzblut zur Stadtverwaltung und zur ARGE Würselen brachte.

Als Dankeschön überreichte sie stellvertretend für ganz Würselen ein Schaf an Bürgermeister Nießen, der sich sehr freute und versprach, einen guten Platz zu finden.
Unterstützt durch zahlreiche Geschäftsleute, die Patenschaften für die Tiere übernommen hatten, bleibt die Herde nach Ende der Ausstellung als dauerhaftes Zeichen in privaten Gärten und Schaufenstern erhalten. Auch Martin Schulz unterstrich in einer Videobotschaft die Relevanz des Projekts und bezeichnete die blauen Schafe als unverzichtbares Symbol für den europäischen Zusammenhalt in politisch herausfordernden Zeiten.
Tiefen persönlichen Zugang zur Geschichte ihrer Heimat

Parallel dazu rückt die Ausstellung „Würselen 1944/45. Das Leben kehrt zurück“ die lokale Historie in den Fokus. Hierbei spielten Schülerinnen und Schüler des Städtischen Gymnasiums eine zentrale Rolle. Unter der Anleitung von Günter Breuer, dem Leiter der Geschichtswerkstatt, recherchierten die Jugendlichen mit großem Fleiß die Ereignisse der letzten Kriegsmonate und der ersten Zeit nach Kriegsende. Schulleiter Dr. Michael Collel lobte in einer freien Rede den pädagogischen Ansatz des Projekts. Er erklärte, dass ein guter Lehrer nicht einfach Antworten vorgebe, sondern die richtigen Fragen stelle, damit die Lernenden selbst zu Erkenntnissen gelangen. Dieser Weg habe es den Schülern ermöglicht, ganz ohne mahnenden Zeigefinger einen tiefen persönlichen Zugang zur Geschichte ihrer Heimat zu finden.
Die Veranstaltung wurde stimmungsvoll vom Streicher-Ensembles des Heilig-Geist-Gymnasiums begleitet. Im Anschluss nutzten die Besucher die Gelegenheit zum Austausch bei ungezwungenen Gesprächen. Die blauen Schafe entwickelten sich sofort zum Publikumsmagneten und beliebten Fotomotiv.
Die Stadt Würselen ruft nun alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, diese Eindrücke festzuhalten und zu teilen, um die Botschaft von Frieden und Gemeinschaft in die Welt zu tragen. Ein besonderer Dank gilt dabei den Sponsoren, der VR Bank eG und der Sparkasse Aachen, ohne deren Unterstützung dieses eindrucksvolle kulturelle Ereignis nicht möglich gewesen wäre.
