Ein gemeinsames Zeichen der Wertschätzung
Die von Brigitta Schüppen-Büttgen organisierte Veranstaltung brachte auch in diesem Jahr Verantwortliche aus Politik, Bildung und Stadtgeschichte zusammen. In Vertretung von Bürgermeister Roger Nießen nahm der 1. stellvertretende Bürgermeister Thomas Havers an dem Gedenken teil. Havers, der als feste Größe in Würselens Gedenkkultur gilt, fand eindringliche Worte: Er nahm die Anwesenden mit auf eine historische Zeitreise in die Jahre 1933 bis 1945 und beleuchtete den grausamen Leidensweg der Euthanasieopfer.
Unterstützt wurde die Aktion zudem durch Günter Breuer von der Geschichtswerkstatt Würselen, der die historische Einordnung vor Ort begleitete. Seitens des BZPG unterstrichen Schulleiterin Ulrike Käbsch sowie die Dozentinnen Sabine Beekhuis und Birte Fercke durch ihre Anwesenheit die Bedeutung dieser wertorientierten Ausbildung.
Die Rolle der Pflege: Gestern und Heute
Ein zentraler Moment der Gedenkstunde war der Beitrag der Schülerinnen und Schüler selbst. Eine Schülerin verlas die gemeinsam ausgearbeiteten Gedanken, die sich intensiv mit einem für die Auszubildenden besonders relevanten Thema befassten: Die Rolle der Pflegenden in der Zeit des Nationalsozialismus.

Der verlesene Text der Schülerinnen und Schüler
"Sehen, erleben, erinnern = Stolpersteine erzählen die Geschichten von Menschen, die Opfer des nationalsozialistischen Terror-Regimes wurden. Heute ist der 12. Mai, der internationale Tag der Pflege. An diesem Tag wird an die wichtige Arbeit von Pflegekräften erinnert. Pflege bedeutet, Menschen zu helfen, sie zu unterstützen und ihre Würde zu schützen. Die Geschichte von Rosa Schillings zeigt, wie wichtig Verantwortung und Menschlichkeit in der Pflege sind. Besonders in der NS-Zeit wurde Pflege missbraucht, um Menschen auszugrenzen oder ihnen zu schaden. Auch an die Opfer dieser Zeit möchten wir erinnern – damit so etwas nie wieder passiert. Jeder Mensch hat das Recht auf Respekt, Hilfe und Schutz, unabhängig von Krankheit, Behinderung oder Herkunft. Erinnerung ist wichtig, denn die Vergangenheit zeigt, welche Folgen Ausgrenzung und Abwertung haben können. Die Stolpersteine erinnern uns daran, dass hinter jedem Opfer ein Mensch mit eigener Geschichte, Familie und Gefühlen steht. Sie helfen uns, die Erinnerung wachzuhalten und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.“
Mit diesem Fokus schlugen die angehenden Pflegefachkräfte eine Brücke von der dunklen Vergangenheit zur ethischen Verantwortung ihres heutigen Berufsstandes.
Hintergrund: Der Stolperstein für Rosa Schillings erinnert an eine Frau, die im Rahmen des sogenannten „Euthanasie“-Programms der Nationalsozialisten ermordet wurde. Das BZPG hat die Patenschaft übernommen, um insbesondere angehende Pflegekräfte für die ethischen Grundlagen ihres Berufs zu sensibilisieren.
