NATURSCHUTZ

Eine Luxusunterkunft für Wildbienen entsteht

Schaufeln, klopfen, Lebensraum schaffen: Die Schülerinnen und Schüler des Umweltparlaments am Städtischen Gymnasium haben im Bunten Gemeinschaftsgarten tatkräftig angepackt. Ihr Ziel: Eine langlebige Nisthilfe für bedrohte Insekten.

Ein tolles Projekt für den lokalen Naturschutz, das zeigt, wie praktischer Artenschutz direkt vor unserer Haustür funktioniert.

Seit Jahren ist das engagierte, schulinterne Umweltparlament ein fester Bestandteil der lokalen Naturschutzarbeit. Begleitet und inspiriert werden die Jugendlichen dabei von der städtischen Umweltplanerin Bettina Püll. Ihr neuestes Gemeinschaftsprojekt dreht sich ganz um den Artenschutz: Ein Hochbeet-Sandarium soll zahlreichen Wildbienenarten künftig eine dauerhafte Heimat bieten.

Die Initialzündung für die Aktion kam von einem NABU-Prprojekt: „Vor kurzem hat der NABU Aachen-Land auf der neuen Bürgerwaldwiese an der Dobacher Straße ein Hochbeet-Sandarium errichtet. Diese Idee hat mich sofort begeistert“, erzählt Bettina Püll. Als das Umweltparlament nach einer neuen gemeinsamen Aktion suchte, war die Entscheidung schnell gefällt: „Das bauen wir nach!“

Teamarbeit im Bunten Gemeinschaftsgarten

Sandarium


Schon am frühen Morgen herrschte reges Treiben im Bunten Gemeinschaftsgarten. Die Aufgabe der Jugendlichen forderte echten Körpereinsatz: Schicht für Schicht mussten lehmhaltiger Maurersand und historische Strangfalzziegel sorgfältig aufeinandergesetzt, verdichtet und festgeklopft werden. Genau auf diese Mischung kommt es an. Viele Wildbienen graben ihre Brutröhren in offenen, lehmhaltigen Sand. Nur wenn dieser stabil genug ist, stürzen die mühsam gegrabenen Gänge nicht wieder ein.

Beim Arbeiten konnten die Schülerinnen und Schüler sofort den Unterschied spüren

, berichtet der begleitende Lehrer Christian Voigt begeistert.

Der Sand rieselte eben nicht einfach durch die Finger, sondern blieb durch den Lehmanteil formbar – genau das, was die Wildbienen brauchen.

Auch Nachhaltigkeit wurde bei den Baumaterialien großgeschrieben: Die verwendeten Strangfalzziegel stammen aus einem Abrissprojekt im Odenwald, von wo die Umweltplanerin sie kurzerhand im Kofferraum mitbrachte. Die Hohlkammern der alten Dachziegel sind ein genialer Bonus: Sie bieten röhrenbrütenden Wildbienen perfekte Nistmöglichkeiten und ergänzen das Sandangebot optimal. Das fertige Hochbeet-Sandarium misst nun rund 1,50 Meter im Durchmesser sowie 80 Zentimeter in der Höhe und bietet den Tieren ideale Bedingungen.

Warum das Insektenhotel aus dem Baumarkt oft leer bleibt

Das Projekt räumt auch mit einem weit verbreiteten Irrglauben auf. Viele Menschen verbinden Wildbienenschutz automatisch mit den klassischen Insektenhotels aus dem Baumarkt. Doch die helfen längst nicht allen Arten. „Ein Großteil unserer heimischen Wildbienen kann mit Bambusröhrchen oder Schilfstängeln gar nichts anfangen“, erklärt Bettina Püll. „Die meisten Arten nisten im Boden – in offenem Sand oder lockerer Erde. Solche Flächen sind in unseren oft aufgeräumten Gärten und Siedlungen allerdings extrem selten geworden.“

Wie dringend nötig solche Plätze sind, zeigte sich schon während des Baus: Ein einfacher Sandhaufen, der eigentlich nur als Baumaterial gedacht war, wurde innerhalb kürzester Zeit von den ersten Sandbienen belagert und als Brutplatz angenommen.

Ein stabiles Zuhause, das bleibt

Ein Sandhaufen allein reicht auf Dauer jedoch nicht aus. Das neue Hochbeet-Sandarium bietet entscheidende Vorteile: Die erhöhte Bauweise schützt die Brutstätten vor Erosion durch Wind und Starkregen. Gleichzeitig bleibt der Sand langfristig locker, tief genug und wächst nicht so schnell zu. Durch die clevere Kombination aus Sand und alten Ziegeln profitieren boden- und röhrenbrütende Arten gleichermaßen. Es ist eine echte, langlebige „Luxusunterkunft“ für die fleißigen und ortstreuen Bestäuber entstanden.

„Wir freuen uns über jede ökologische Aufwertung in unserem Gemeinschaftsgarten“, bedankt sich Püll ganz herzlich beim Umweltparlament für den tatkräftigen Einsatz. Auch Lehrer Christian Voigt zieht ein rundum positives Fazit: „Solche praktischen Lernerfahrungen bleiben bei den Kindern und Jugendlichen lange im Gedächtnis. Sie sehen direkt das Ergebnis ihrer Arbeit und erinnern sich noch Jahre später gerne an diese sinnvollen Aktionen zurück.“

Auch die Schülerinnen und Schüler sind begeistert von der Aktion. Ali Makansi berichtet, dass er sich früher kaum für Naturschutz interessiert hat. Seit seinem Engagement im Umweltparlament hat sich sein Blick auf die Natur jedoch grundlegend geändert. Projekte wie das Sandarium machen Naturschutz greifbar: raus aus dem Klassenzimmer, rein in die Natur.

INFO: Wildbienenschutz im eigenen Garten – So geht’s!

Wer den fleißigen Insekten helfen möchte, braucht dafür gar nicht viel Platz. Nachmachen ist ausdrücklich erwünscht!

  • Das Sandbeet: Ein Bereich im Garten von mindestens 50 Zentimetern Durchmesser und Tiefe genügt. Dieser wird mit lehmhaltigem Maurersand (0/2 mm Körnung) befüllt und gut festgestampft.
  • Der Schutz: Etwas Totholz und ein paar dornige Äste drumherum dienen als natürlicher Katzenschutz.
  • Das Buffet: Das schönste Nest nützt nichts ohne Nahrung. Heimische Wildstauden wie Natternkopf, Karthäusernelke, Wiesensalbei oder Ziest in der unmittelbaren Umgebung machen das Biotop perfekt. Viele Wildbienen sind echte Spezialisten und fliegen nur ganz bestimmte Blütenpflanzen an.


Nachahmerinnen und Nachahmer sind herzlich willkommen – jeder Quadratmeter zählt für die Artenvielfalt in Würselen!