Blickt man auf dem Morlaixplatz hoch in die Krone einer alten Eiche, kann man einen der ersten Lebensretter-Sensoren bereits entdecken.
Städtische Bäume schenken den Bürgerinnen und Bürgern Schatten, frische Luft und Lebensqualität – doch im Stillen kämpfen viele von ihnen ums Überleben. Um ihre grünen Lungen nicht der Trockenheit zu überlassen, geht die Stadt Würselen jetzt einen modernen Weg: Sie macht den Notruf der Bäume hörbar. Gemeinsam mit dem Klimaanpassungsmanagement startet der Baubetriebshof ein besonderes Projekt: Seit dem 23. Juli kommen in der Würselener Innenstadt innovative Baumfeuchtesensoren zum Einsatz.
Ein Blick ins Innere: Wenn Bäume um Hilfe rufen
Das Besondere an dieser Technologie: Sie schaut unter die Rinde. Wo herkömmliche Methoden nur messen, wie trocken die Erde ist, detektiert die neue Technik den Wassertransport im inneren des Baumes. Im wasserleitenden Gewebe – dem sogenannten Xylem – wird der Widerstand gemessen. So erfährt die Stadt punktgenau und tagesaktuell, wann ein Baum unter Durst und Stress leidet – lange bevor die Blätter welken oder erste Äste absterben.

Der Einbau der Sensorik erfolgte mittels Hebebühne vom Baubetriebshof.
Ein besonderer Vorteil der Sensor-Technologie besteht darin, dass die Messung den Zustand des Baumes unmittelbar erfasst und nicht nur die Bodenfeuchtigkeit
, erläutert Klimaanpassungsmanagerin Antonia Seidel.
Dadurch können Bewässerungsmaßnahmen gezielt am tatsächlichen Bedarf ausgerichtet werden. Die gewonnenen Messdaten ermöglichen es, das Gießmanagement weiter zu optimieren, Wasser ressourcenschonend einzusetzen und die Vitalität der Stadtbäume langfristig zu sichern.
Hoffnungsträger Retentionsbeet
Neben der Rettung in akuten Dürrephasen geht es im Kern des Pilotprojekts auch um die Zukunft der Stadtentwicklung. Planungsamt und Baubetriebshof nehmen die in den letzten Jahren angelegten Retentionsbeete unter die Lupe. Diese unterirdischen Oasen speichern Regenwasser wie ein Schwamm und geben es langsam an die Wurzeln ab.
Durch den direkten Vergleich der Sensordaten wollen die Verantwortlichen wissenschaftlich belegen, wie gut diese den Bäumen durch heiße Sommer helfen. Das Projekt ist zunächst auf ein Jahr angelegt und soll wertvolle Erkenntnisse liefern. Im Idealfall hofft die Stadt, den Bewässerungsaufwand zu reduzieren und ihn bedarfsgerecht einzusetzen.
