V. l. Der beim WVER für die Sanierung der Kläranlage Euchen zuständige Projektingenieur Ayhan Kara, WVER-Vorstand Dr. Joachim Reichert, Bürgermeister Roger Nießen und WVER-Verbandsratsvorsitzender Frank Peter Ullrich
Pressemitteilung des Wasserverband Eifel-Rur (WVER) vom 8. Oktober 2026
Der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) stellte jetzt die neu gestaltete Anlage öffentlich vor.
Verbandsratsvorsitzender Frank-Peter Ullrich, Bürgermeister der Stadt Düren, hob hervor:
Im Verbandsrat achten wir darauf, dass wir durch Investitionen auch weiterhin unseren gesetzlichen Aufgaben nachkommen. Das Projekt trägt in vorbildlicher Weise dazu bei, die kommunalen Entwicklungsmöglichkeiten und den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen zu sichern.
Roger Nießen, Bürgermeister von Würselen, betonte:
Eine leistungs-fähige Abwasserreinigung ist eine grundlegende Voraussetzung für die Zukunft von Würselen. Sie schafft Planungssicherheit für neue Wohn-gebiete und Gewerbeansiedlungen und die damit verbundenen Arbeitsplätze.
Roger Nießen berichtete, dass 80 % des Stadtgebiets in die Anlage entwässern. Er lobte die gute Zusammenarbeit mit dem WVER und brachte zum Ausdruck, dass er mit Zuversicht auch auf zukünftige gemeinsame Projekte blicke.
Dr. Joachim Reichert, Vorstand des Wasserverbands Eifel-Rur, führte aus:
Es handelt sich bei der Kläranlage Euchen nun um eine grundlegend sanierte, modernisierte und erneuerte Kläranlage, die sich jetzt auf dem aktuellsten Stand der Technik befindet. Eine besondere Herausforderung war dem Umbau im laufenden Betrieb. Ohne Einschränkung der Leistungsfähigkeit der Anlage wurden die Reinigungswerte eingehalten.
Durch das Alter der Anlage seinen Anlagenteile komplett verschlissen gewesen. Die Erneuerung bringe zudem eine massive Einsparung an Energie.
Ausgangslage
Die Kläranlage Euchen wurde in den 1970er Jahren durch die Stadt Würselen erbaut und zum 01. Januar 1999 an den WVER übereignet. Die Kläranlage besitzt eine Kapazität von 40.000 Einwohnerwerten und reinigt das Abwasser der angeschlossenen Ortsteile Würselen und Alsdorf. Nach der Reinigung wird das Wasser wieder in den Euchener Bach eingeleitet.
Anfang der 2020er-Jahre war die Anlage bereits rund 50 Jahre in Betrieb und wies einen erheblichen Reinvestitionsbedarf auf. Dies wurde zugleich zu einer umfänglichen Modernisierung und Weiterentwicklung der Anlage genutzt. Die veraltete Technik verursachte zudem einen hohen Energieverbrauch, weshalb eine grundlegende energetische Sanierung angestrebt wurde. Im Zuge der Modernisierung war zudem die Umstellung von der aeroben auf die anaerobe Schlammstabilisierung in einem Faulbehälter vorgesehen. Das dabei entstehende Klärgas kann anschließend im neu errichteten Blockheizkraftwerk (BHKW) energetisch genutzt und wiederverwertet werden. Dies dient zum einen der Stromerzeugung für den Eigenbedarf der Anlage. Zum anderen wird im BHKW Wärmeenergie für das Betriebsgebäude und zur Aufheizung des Faulbehälters gewonnen. Die Wärme führt zu einer höheren Gasausbeute.
Darüber hinaus wurde die Anlage für zunehmende Belastungen bei Regenereignissen ertüchtigt. Um ausgeprägte Frachtstöße bei Regenereignissen besser bewältigen zu können, wurden ein Frachtausgleichsbecken sowie ein drittes Nachklärbecken benötigt. Da Starkregenereignisse in der Tendenz zunehmen, führt dies auch vermehrt zu Frachtstößen aus der Kanalisation. Im Ausgleichsbecken werden diese zunächst zurückgehalten und dann dem weiteren Abwasserreinigungsprozess zugeführt.
Ebenso wurde das Belebungsbecken in eine leistungsfähige Kaskaden-Denitrifikation umgestaltet. Eine neue Belüftungsanlage mit zugehöriger Gebläsestation sorgt für einen effizienten Betrieb und verbraucht weniger Energie als die alte Anlage. Auch die Nachklärung wurde ertüchtigt und durch ein drittes Nachklärbecken erweitert. Zur Schlammbehandlung entstand nicht nur erstmals der erwähnte Faulbehälter, sondern auch ein Voreindicker, der dem Schlamm vorab Wasser entzieht, bevor er in den Faulbehälter gelangt. Ebenso wurden ein Gasspeicher und eine Gasaufbereitung sowie das BHKW zur energetischen Nutzung des Faulgases gebaut.
Darüber hinaus wurden zahlreiche Bauwerke bautechnisch saniert und veraltete, störanfällige Maschinen-, EMSR- und Automatisierungstechnik erneuert. Damit wurde die Anlage nachhaltig für einen zuverlässigen und energieeffizienten Betrieb ertüchtigt.
Herausforderungen während des Projektes
Die umfangreiche Modernisierung stellte hohe Anforderungen an Planung, Koordination und Zusammenarbeit, denn zahlreiche verschiedene Gewerke arbeiteten zeitgleich auf der Anlage. Eng aufeinander abgestimmter Abläufe waren notwendig, was teilweise direkte Abhängigkeiten zwischen den Gewerken zur Folge hatte, sodass der Fortschritt einzelner Arbeiten von anderen Bau- und Montageschritten abhing. Eine besondere Herausforderung war, dass sämtliche Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen während des laufenden Anlagenbetriebs durchgeführt werden mussten. Die Aufrechterhaltung eines sicheren und zuverlässigen Kläranlagenbetriebs erforderte daher eine sorgfältige Planung, flexible Abstimmung und enge Zusammenarbeit aller Beteiligten. Besonders das Betriebspersonal stand vor der Aufgabe, während der Baumaßnahmen den „Normalbetrieb“ entsprechend der Vorgaben zur Reinigungsleistung aufrecht zu erhalten.
Verzögernd wirkte sich aus, dass teilweise Kabelstränge nicht ordnungsgemäß kartiert waren, sodass auch der Untergrund manche Überraschung bereithielt.
Eckdaten
Nach umfangreichen Vorüberlegungen bereits aus dem Jahr 2005 und vorbereitenden Planungen konnte im Februar 2021 mit den Bauarbeiten begonnen werden.
Diese sind zwar weitestgehend abgeschlossen, werden erst im Juli 2027 vollends abgeschlossen sein. Die Filtration der Kläranlage muss ebenfalls noch umgebaut werden; damit kann erst im Frühjahr 2027 begonnen werden. In der Filtration wird das bereits gereinigte Abwasser über eine Filterschicht geleitet, die eventuell noch vorhandene Schmutzstoffe und Keime zurückhält, bevor das Wasser dann in den Euchener Bach gelangt.
Die Gesamtprojektkosten liegen bei 34,3 Mio. Euro.
Retentionsbodenfilter
Im Zusammenhang mit den Bemühungen, die Gewässergüte zu sichern, wurde auch ein so genannter Retentionsbodenfilter errichtet. Sollte durch Regenfälle die anströmende Abwassermenge einmal größer sein, als die Kläranlage verkraften kann, so wird das Wasser in einem Regenüberlaufbecken aufgefangen und nach Abklingen des Regens dem Reinigungsprozess zugeführt. Sollte auch die Regenrückhaltung voll sein, darf unter definierten Bedingungen das stark durch Regenwasser verdünnte und in der Rückhaltung etwa durch Sedimentationsprozesse bereits entlastete Abwasser in den Bach eingeleitet werden.
Dies konnte bei heftigem Regen schwallartig erfolgen, wodurch der kleine Euchener Bach stofflich und hydraulisch stark belastet wurde. Nach heutigen Anforderungen an die Gewässergüte musste hier eine weitergehende Behandlung erfolgen. Das Überlaufwasser aus der Rückhaltung wird nun zunächst in den Retentionsbodenfilter geleitet und dort etwa durch im eingebrachten Filtermaterial ansässigen Mikroorganismen weiter behandelt. Außerdem ermöglicht das Rückhaltevolumen des Retentionsbodenfilters eine Drosselung des schwallartigen Abflusses in den Bach.
Summarische Aufstellung der Veranlassung zum Handeln:
- Errichtung der Kläranlage in den 1970er Jahren durch die Stadt Würselen
Angeschlossene Ortsteile von Würselen (80 % der Abwässer aus Würselen) und Teilen von Alsdorf mit insgesamt 40.000 Einwohnerwerten
- Die Anlage erreichte ihre technische Lebensdauer und wies erheblichen Reinvestitionsbedarf aus
- Veraltete Technik benötigte hohen Energieeinsatz
- Frachtstöße aus dem Kanalnetz bei Regenwetter führten zu Überschreitungen der Ablaufwerte der Anlage
Ergriffene Maßnahmen aufgelistet:
- Sanierung Sand- und Fettfang
- Neubau einer Vorklärung
- Neubau eines Frachtausgleichsbeckens
- Sanierung und Umbau der Belebungsbecken
- Umstellung der Belüftung inkl. zugehöriger Gebläsestation
- Sanierung der beiden vorhandenen Nachklärbecken sowie Neu-bau eines 3. Nachklärbeckens
- Neubau eines Faulbehälters inkl. Gasspeicher sowie eines BHKW zur Energiegewinnung
- Erneuerung veralteter und störanfälliger Maschinentechnik (z. B. Rechenanlage, Rücklaufschlammpumpen etc.)
- Erneuerung veralteter EMSR- und Automatisierungstechnik
Daten zum Retentionsbodenfilter:
- Filterfläche: 3.200 m²
- Gesamtfläche des Beckens: 9.430 m²
- Volumen: 8.200m³
- Abschlag des Mischwassers über ein Trennbauwerk zum Regenüberlaufbecken, von dort in den Retentionsbodenfilter
- Kosten für den Retentionsbodenfilter: Ca. 5 Mio. Euro
