Als ehemaliger Kulturredakteur des Stadtmagazins Klenkes kennt er die regionale Szene aus dem Effeff. Seit drei Jahren bringt er seine Expertise und eine Menge neuer Ideen direkt ins Würselener Kulturteam ein. Im Interview spricht er über unentdeckte Potenziale, das Kulturzentrum Altes Rathaus und seine Vision für ein lebendiges Kulturleben in der Stadt.
Sie kennen die regionale Kulturszene wie kaum ein anderer. Was hat Sie persönlich daran gereizt, vor drei Jahren die Seiten zu wechseln und das Kulturangebot in Würselen aktiv mitzugestalten?
Zum einen bin ich nach wie vor freier Mitarbeiter für das Medienhaus Aachen in den Bereichen Musik und Literatur. Das gibt mir Gelegenheit, mir ein regelmäßiges Update zu verschaffen, was wiederum meiner Arbeit in Würselen zugutekommt. Meine Mitarbeit in der Würselener Kulturpolitik habe ich Hans Brings zu verdanken, der mich in seiner Funktion als Kulturamtsleiter vor dreieinhalb Jahren fragte, ob ich Zeit und Lust zu dieser Zusammenarbeit vor Ort hätte.
Zu Ihrem Start haben Sie erwähnt, dass Würselen noch sehr viel ungenutztes Potenzial bietet. Wo genau sehen Sie aktuell die größten unentdeckten Schätze oder Chancen für die Stadt? Oder haben Sie diese schon genutzt?
Die Würselener Kulturszene schöpft bereits einen großen Teil ihres Potenzials aus. Keine Stadt innerhalb der Städteregion Aachen – vom Oberzentrum Aachen abgesehen – verfügt meines Wissens über eine derart große Kunst-, Musik- und Literaturszene. Gerne habe ich an der Vernetzung dieser Szene in den letzten Jahren mitgewirkt. Ein gutes Beispiel für gelungene Aktivitäten vor Ort ist ja die neue Location „Kulturpalast“ der GZKG am Morlaixplatz.
Wichtig ist auch, die tollen kulturellen Angebote vor Ort der Stadtöffentlichkeit bekannt zu machen. Hierfür haben wir den quartalsmäßig erscheinenden „Würselener Kulturkalender“ ins Leben gerufen.
Was sind Ihre ganz persönlichen Kultur-Highlights aus den vergangenen drei Jahren?
In Würselen? Ohne das vielfältige Sommerprogramm der Burg Wilhelmstein oder das engagierte Filmprogramm des Metropolis-Kinos schmälern zu wollen, waren es für mich die „LadenZeilen“, die ich vor drei Jahren erstmalig organisiert habe, sowie die „Würselener Kunstroute“. Beide bieten genügend Potenzial, um auch die nächsten Jahre feste, attraktive Veranstaltungen im Kulturkalender der Stadt zu bleiben.
Mit Gabi Kmet, Ihnen und weiteren Experten bspw. von der Burg Wilhelmstein ist ein sehr vielseitiges Team am Start. Wie ergänzen Sie sich gegenseitig im Alltag und bei der Programmplanung?
Gabi Kmet macht ihr Programm im Alten Rathaus eigentlich selbstständig. Ab und an tauschen wir uns bei einem Kaffee über einzelne Angebote aus. Zum Team der Burg Wilhelmstein hatte ich bereits zu Zeiten von Ulli Pesch regelmäßigen Kontakt. Das ergab sich durch meine Arbeit für das Stadtmagazin „Klenkes“. Dass das neue Team jetzt unter dem Namen „Kulturschmiede“ mitten auf die Kaiserstraße gezogen ist, ist eine ausgezeichnete Idee! Bei der „Kunstroute“ und den „LadenZeilen“ war die jetzige Kulturschmiede erstmalig in diesem Jahr als Veranstaltungsort mit im Boot.
Wenn wir noch fünf Jahre vorausblicken: Woran werden die Würselenerinnen und Würselener spüren, dass sich im Kulturleben ihrer Stadt nachhaltig etwas verändert hat?
Es ist noch viel Arbeit in kleinen Schritten zu erledigen. Bald startet die Modernisierung des Alten Bahnhofs, ein Umbau des Alten Rathauses zu einem noch lebendigeren Kulturort liegt leider derzeit aus finanziellen Gründen auf Eis. Ein vertiefender Blick auf die Kultur in Bardenberg oder Broichweiden wäre eine weitere Aufgabe.
Wenn Sie privat einen Abend völlig frei haben und nicht beruflich unterwegs sein müssen: Welche Art von Kultur genießen Sie dann am liebsten?
Zu Hause: ein guter Film oder eine Serie, Bücher, Zeitschriften, viel neue Musik; unterwegs: natürlich Konzerte, aber auch sehr gerne das Stadttheater Aachen, die eine oder andere Kunstausstellung. Bei meinen vielen familiären Reisen nach Berlin schöpfe ich kulturell gesehen natürlich aus dem Vollen!
Gibt es einen Künstler oder eine Künstlerin, die Sie persönlich unbedingt einmal nach Würselen holen möchten – ganz egal, wie realistisch das aktuell ist?
Prince, Miles Davis oder David Bowie weilen leider nicht mehr unter uns ... Eine Reunion der Talking Heads, R.E.M. oder der brasilianischen Gruppe Os Mutantes könnte ich mir sehr gut auf der Burg vorstellen. Aber Reunion-Konzerte sind ja ein zweischneidiges Schwert. Vielleicht dann doch eher eine Jazzband wie Shake Stew oder eine der vielen neuen, tollen Singer/Songwriterinnen, die derzeit so für Furore sorgen.
Wenn Würselen ein eigener Kultur-Genre-Begriff oder ein Musik-Album wäre: Welchen Titel würde es von Ihnen bekommen?
Willkommen in der Zukunft / Welcome To The Future. Diesen Albumtitel gibt es in unzähligen Genres. Er steht für Hoffnung, hat aber auch einen selbstironischen Beigeschmack.
